Nachhaltigkeit an Hochschulen

Nachhaltigkeit in ihren unterschiedlichen Facetten wird aktuell auf vielen Ebenen diskutiert. Kaum ein*e gesellschaftliche*r Akteur*in kommt um eine Positionierung in diesem Kontext herum. Was aber bedeutet Nachhaltigkeit im Hochschulkontext?  

Die einen denken zunächst an die Beschaffung ressourcenschonender Materialien, andere an die Dämmung der neuen Gebäude auf dem Campus. 

Was verbinden Sie mit Nachhaltigkeit? Hier können Sie abstimmen.

Wo anfangen? Das ist die Frage, die sich den meisten Akteur*innen stellt, die Nachhaltigkeit in ihrer Organisation implementieren möchten.  Als Orientierungsrahmen helfen die Sustainable Development Goals (SDGs) der Vereinten Nationen. Diese 17 Nachhaltigkeitsziele zeigen das gesamte, komplexe Bild einer nachhaltigen Entwicklung. Die SDGs werden in unterschiedlichste Kontexte übersetzt. 

Von nationalen Zielen, zu kommunalen Nachhaltigkeitszielen bis hin zu Unternehmenszielen, um nur einige zu nennen.  

Die Ziele geben einen Rahmen vor, indem Sie sich orientieren können. Nicht alle 17 Ziele müssen direkt zu Anfang aufgegriffen werden. Eine Fokussierung auf einige wenige ist zu Beginn der Nachhaltigkeitsdiskussion in Ihrem Umfeld ausreichend. Welche Ziele Sie fokussieren, hängt von Ihrem Selbstverständnis und Ihren Stakeholdern ab. Eine Stakeholderbefragung zu Beginn hilft zu fokussieren und die ausgewählten Ziele in den eigenen Kontext zu überführen. Wichtig ist, sich in diesem Schritt auch über Indikatoren zur Messung der Entwicklung Gedanken zu machen.  

Wo anfangen? 

 

Institutionalisierung – strategische Implementierung 

Nachhaltigkeitsmanagement ist kein Marketinginstrument, sondern ein grundlegendes strategisches Managementkonzept. Damit Hochschulen nachhaltig werden, sind Führungs-, Fach-, Prozess- und Sozialkompetenzen nötig.  Nachhaltigkeitsmanagement ist Chef*innensache. Es darf keinesfalls als Greenwashing-Feigenblatt missbraucht, sondern muss in die Organisation implementiert und zum selbstverständlichen Bestandteil der Organisationsphilosophie und -kultur werden. Dabei handelt es sich keineswegs um einen abgeschlossenen Prozess. Im Gegenteil: Es ist eine dynamische Entwicklung, die im Laufe der technologischen und sozialen Entwicklung immer neue Ansätze hervorbringen wird. Deswegen ist es wichtig, von Anfang an Akteur*innen aller Mitgliedsgruppen mitzunehmen. Nachhaltiges Management muss Top-Down- und Bottom-Up-Prozesse vereinen. Dazu bedarf es einer stringenten Strategie, eines klaren Prozesses und tauglicher Instrumente sowie geeigneter Rahmenbedingungen. Neben messbaren Indikatoren spielt ein verständliches Storytelling, das diese Strategie nachvollziehbar macht, eine wichtige Rolle. Da Hochschulen sehr unterschiedlich sind, muss die Frage, wie und wo Nachhaltigkeit systemisch integriert wird von jeder Hochschule spezifisch beantwortet werden.  

Handlungsfelder

Betrieb

Der Betrieb einer Hochschule hat direkte sowie indirekte Auswirkungen auf ökologische und soziale Faktoren. Die betriebliche Nachhaltigkeit beschäftigt sich vor allem damit, den negativen Einfluss so gering wie möglich zu halten und positive Wirkungen auf nachhaltige Entwicklung zu befördern. Auch in diesem Handlungsfeld gilt es, mit den Akteur*innen aus dem Hochschulbetrieb (Verwaltung, Hausmeisterservice, Veranstaltungsreferat etc.) den Status quo zu sondieren und gemeinsam an nachhaltiger Entwicklung zu arbeiten. Dies kann die Frage nach den Energiekosten der Gebäude genauso beinhalten, wie die Reduktion von Lebensmittelabfällen bei Veranstaltungen und in der Mensa.  

Forschung

Um Nachhaltigkeit im Sinne einer Übernahme von gesellschaftlicher Verantwortung in die Forschung zu integrieren, lautet ein Paradigma „Forschen in gesellschaftlicher Verantwortung”. Hochschulen generieren durch Forschungsarbeiten Erkenntnisse zur globalen humanitären Fortentwicklung in Richtung Nachhaltigkeit. Sie wirken so maßgeblich an der Transformation zu einer nachhaltigen Gesellschaft mit. Es stehen nicht nur die Resultate, sondern auch der Forschungsprozess im Fokus: Wie wird geforscht? Mit wem bzw. für wen wird geforscht? Hochschulen sollten diskutieren, wie und wo Forschung einen Beitrag leisten kann, um Herausforderungen in der nachhaltigen Entwicklung zu begegnen. Fragen zu interdisziplinärem Austausch und dem Wissensmanagement zwischen den Disziplinen sind weitere Punkte auf einer nachhaltigen Forschungsagenda.  

Lehre

Auf der einen Seite bedeutet Nachhaltigkeit in der Lehre, nachhaltigkeitsbezogene Inhalte in die Lehre zu integrieren. Zum anderen meint Nachhaltigkeit in der Lehre, Lehre methodisch, didaktisch so auszurichten, dass sie nachhaltig ist. Dazu gehören, die Implementierung neuer Lehr- und Lernmethoden. Hochschulen modernisieren und digitalisieren ihre Lehre. Hierbei Bildung für nachhaltige Entwicklung als inhaltliches wie methodisch-didaktisches Konzept in die Weiterentwicklung einzubeziehen, zahlt auf die eigene Nachhaltigkeitsperformance ein. 

Transfer

Die aktuelle COVID 19-Krise zeigt, dass die Zusammenarbeit von Wissenschaftler*innen und  Entscheidungsträger*innen in Politik wie Wirtschaft wesentlich sind, um Resilienz aufzubauen. Wissenschaftliche Erkenntnisse sind für die Bewältigung und Beantwortung der Klimakrise essentiell. Im Handlungsfeld „Transfer“ ergeben sich u.a. folgende Fragen: Wie gestaltet Hochschule den Transfer in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft für eine nachhaltige Entwicklung? Welche Partner*innen und Netzwerke sind hier wichtig und nötig? Welche Kompetenzen müssen ausgebaut werden, um den Transfer von Nachhaltigkeitsforschung zu stärken?  

 
 

Nachhaltigkeitsansätze – welcher passt zu Ihnen?    

Das Hochschulnetzwerk HochN stellt fest, dass es generell bei der Auseinandersetzung mit nachhaltiger Entwicklung in Hochschulen, „um die Reflexion des eigenen Handelns auf allen Ebenen mit Bezug zum ethischen, konzeptionellen und transformativen Anspruch der Nachhaltigkeit. Die Freiheit von Forschung und Lehre realisiert sich nur dann in verantwortlicher Weise, wenn die Hochschulen selbst ihre Potenziale für eine Große Transformation der Gesellschaft reflektieren und ihre Erkenntnisse gesamtinstitutionell entsprechend umsetzen.“ 

Nachhaltigkeit kann in Systemen in unterschiedlicher Tiefe implementiert werden.   

Die sog. Nachhaltigkeit 1.0. entspricht einem reaktiven Nachhaltigkeitsverständnis. Stakeholder, wie Studierende, Lehrende, Zuwendungsgeber*innen etc. konfrontieren Hochschulen mit Anliegen im Bereich Nachhaltigkeit. Nachhaltigkeitsstrategien werden hier genutzt, um diesen Ansprüchen gerecht zu werden, um attraktiver für Studierende und Lehrende zu sein oder um bestimmte Fördermittel beantragen zu können. Das Nachhaltigkeitsmanagement orientiert sich demnach an Chancen und Risiken, die sich aus ökonomischen, sozialen, ökologischen Anliegen ergeben (Risikominimierung, Umsetzung von gesetzlichen Vorgaben, Attraktivität als Arbeitgeber, Marktvorteile).

Die nächste Stufe, vergleichbar mit dem Triple Bottom Line Ansatz, geht einen wichtigen Schritt weiter. Er beschreibt einen Ansatz, der auf einen dauerhaften Ausgleich zwischen der ökonomischen, ökologischen und sozialen Leistung beruht. D.h. alle Vorhaben, Maßnahmen werden hinsichtlich ihrer Wirkung auf nachhaltige Entwicklung überprüft.  Dazu müssen Nachhaltigkeitsstrategien und Nachhaltigkeitsmanagementsysteme in die hochschulinterne Struktur integriert werden. Maßnahmen müssen mit Indikatoren versehen werden, und über Wirkung sowie Entwicklung wird transparent berichtet.  

 

Das Outside-In Modell berührt das Transferverständnis von Hochschulen – das Modell schaut von außen nach innen.  Es geht nicht um den eindimensionalen Transfer von wissenschaftlichen Erkenntnissen in die Gesellschaft, sondern um die Fokussierung von gesellschaftlichen Fragestellungen und deren Einbeziehung in das Forschungsdesign. Nach Schneidewind geht es um eine True University Sustainability „wenn man University als Chiffre für die unterschiedlichen Formen gesellschaftlich relevanter Forschung versteht.“ Erst wenn man versteht, wie sich Veränderungen im Themenbereich Nachhaltigkeit vollziehen, sind Verknüpfungen mit der Wirksamkeit wissenschaftlichen Wissens möglich. Dabei ist zwischen nachhaltigkeitsorientierter Forschung und Forschung in gesellschaftlicher Verantwortung zu unterscheiden.    

Über Nachhaltigkeit berichten 

Nachhaltigkeitsberichte sind ein Instrument, um systematisch über den hochschulinternen Nachhaltigkeitsprozess zu berichten. Im Unternehmenskontext haben diese Berichte mit der sogenannten „Berichtspflicht über nicht finanzielle Auswirkungen“, einer EU-Richtlinie, an Bedeutung gewonnen. Unternehmen mit einer Größe von mehr als 500 Mitarbeitenden oder mehr als 40 Millionen Euro Umsatz bzw. einer Bilanzsumme von mehr als 20 Millionen Euro sind seit 2017 verpflichtet über umwelt- und Sozialauswirkungen Ihrer Tätigkeit zu berichten.  

Hochschulen haben sich diese Berichtsrahmen zu Nutze gemacht, um über ihre eigene nachhaltige Entwicklung systematisch und transparent zu berichten.  

Für Sie bieten in diesem Kontext erarbeitete Berichtsrahmen eine Orientierung für die eigene nachhaltige Entwicklung.  Der Bericht richtet sich nicht nur an die Stakeholder der Hochschule und ist somit ein Instrument für die Öffentlichkeitsarbeit, sondern dient auch der eigenen Strukturierung im Nachhaltigkeitsprozess. Für den Bericht müssen die o.g. Handlungsfelder im Hochschulkontext untersucht und strategische Weiterentwicklungskonzepte erarbeitet werden.  

Zum Weiterlesen

Als Orientierung kann der Hochschul-DNK genutzt werden. Dieser wurde vom Hochschulnetzwerk HochN auf Basis des Deutschen Nachhaltigkeitskodex (DNK) entwickelt.  

 

HOCH-N Positionspapier: Keine Nachhaltigkeit ohne Hochschulen – keine Hochschulen ohne Nachhaltige Entwicklung 

 

DAAD-Perspektiven“: Nachhaltigkeit – Dimensionen, Handlungsfelder und strategische Ziele  

Nachhaltigkeit im DAAD 

Nachhaltigkeitsgovernance an Hochschulen 

 

UNESCO Broschüre Hochschulen für eine nachhaltige Entwicklung 

Empfehlungen der Hochschulrektorenkonferenz „Für eine Kultur der Nachhaltigkeit"

 
Bäume

Nachhaltige Internationalisierung

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